Die meisten frühkindliche Reflexe bilden sich bereits im Mutterleib aus. Einige davon sind wichtig für den Geburtsvorgang. So hilft beispielsweise der spinale Galantreflex dem Kind, sich aus dem Geburtskanal herauszuwinden.

Andere Reflexe helfen dem Baby bei der Nahrungsaufnahme – wie etwa der Saugreflex, der Suchreflex oder der Babkin-Reflex. Letzterer ist verantwortlich für die Verbindung von Händchen und Mund und gut sichtbar, wenn das Baby beim Stillen die Brust der Mutter massiert und so den Milchfluss anregt.

Was sind frühkindliche Reflexe

Viele frühkindliche Reflexe sind verantwortlich für die typischen „Säuglingsbewegungen“. So löst etwa die Drehung des Kopfes in eine Richtung die Streckung von Arm und Bein auf dieser Körperseite aus, während sich der andere Arm und das andere Bein beugen. Wenn kleine Babys auf dem Rücken schlafen, ist diese „Fechterstellung“ gut sichtbar – ausgelöst durch den Asymmetrisch Tonischen Nackenreflex (ATNR).

Dabei werden all diese frühkindlichen Reflexe durch bestimmte Reize ausgelöst: etwa Berührungen oder Körperhaltungen. Die daraufhin ablaufenden Bewegungen kann das Kind nicht willkürlichen steuern, denn sie laufen automatisch ab.

Doch bereits nach einigen Monaten wirken die Bewegungen des Kindes weniger ungelenk. Es kann seinen Körper nun bewusster kontrollieren. Das Kind hat in der Zwischenzeit durch bestimmte Bewegungen seine frühkindlichen Reflexe gehemmt – und die Reflexe nun in reifere Bewegungsmuster integriert.

Zumindest sollte das so sein. Doch tatsächlich gelingt es nicht immer, die frühkindlichen Reflexe ganz abzubauen. Es bleiben Restreflexe bestehen und diese können dem Kind ganz schön im Weg stehen!

Ein bestehender Spinaler Galant-Reflex macht es dem Kind praktisch unmöglich, ruhig auf einem Stuhl zu sitzen. Ein verbliebener ATNR verhindert die reibungslose Zusammenarbeit beider Körperhälften – und damit dem Zusammenspiel beider Augen. Schwierigkeiten im Lesen sind hier keine Seltenheit. Ein aktiver Greifreflex ist mitverantwortlich für eine verkrampfte Stifthaltung…

Was sind frühkindliche Reflexe

Um eine lange Liste abzukürzen: Viele Schwierigkeiten im schulischen Bereich (z.B. Konzentrationsfähigkeit, Lesen oder Schreiben), dem Verhalten (z.B. Bettnässen) und der Emotionalität (z.B. Ängstlichkeit) können durch verbliebene frühkindliche Reflexe mitverursacht werden. Auch Haltungsschäden oder Kopfschmerzen können durch nicht integrierte frühkindliche Reflexe entstehen.

Hinzu kommt: die verbliebenen Restreflexe können zwar nicht willkürlich verhindert werden, doch sie können durch Muskelanspannung kompensiert werden. Wir wissen aber auch, dass das Anspannen von Muskeln auf Dauer sehr anstrengend ist. Kinder mit bestehenden frühkindlichen Reflexen müssen somit permanent gegen ihren eigenen Körper arbeiten. Sie ermüden dadurch schneller. Sie vermeiden bestimmte Tätigkeiten oder finden „normale“ Körperhaltungen wie beispielsweise das gerade Sitzen anstrengend.

Die gute Nachricht ist: durch bestimmte Bewegungsmuster können die frühkindlichen Reflexe abgebaut werden.

In unserer Praxis identifizieren wir die Restreflexe und wir arbeiten mittels isometrischem Druck an der Integration dieser Reflexe. Zudem leiten wir Sie und Ihr Kind an, diesen Prozess durch kurze tägliche Übungen zu beschleunigen und zu sichern.

Da wir wissen, dass das im Alltag zwischen Schule, Arbeit, Hobbies, etc. nicht immer einfach ist, reduzieren wir den Übungsaufwand auf wenige Minuten pro Tag. Viele Übungen können zudem problemlos in ein beruhigendes Abendritual integriert werden.